
Svenja Steinhauser
Praktisches Jahr
09.03.2026 – 28.06.2026
Woche 1: 09.03. – 13.03.2026
Auf in ein neues Tertial!
Seit dieser Woche habe ich mein zweites Tertial hier im Bayerischen Wald begonnen. Bereits vor 3 Jahren fast genau zur gleichen Zeit durfte ich hier meine Famulatur absolvieren und freue mich daher nun wieder in der Gegend zu sein.
Der Start war, wie es bei neuen Anfängen oft der Fall ist: spannend, anstrengend, ein wenig holprig und vor allem geprägt von viel Neugier. Schon am Wochenende habe ich das Haus in Grafenau bezogen, das sich gerade noch im Umbau befindet, und dabei auch gleich die neuen Vermieter kennengelernt. Bei herrlichem Wetter nutzte ich die Gelegenheit, das erste Eis in Grafenau zu probieren, den Kulturpark zu erkunden und einen ersten Eindruck von meinem vorübergehenden Zuhause zu gewinnen.
Besonders aufregend war natürlich der Start in der Praxis. Zwar ist die Anfahrt nach Geiersthal recht lang, doch sie lohnt sich: Von Anfang an durfte ich Patient*innen selbst untersuchen und anschließend mit den jeweiligen Ärzt*innen besprechen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Möglichkeiten zum Austausch und Lernen – von Fallbesprechungen über Journal Clubs bis hin zu Online-Seminaren. Langweilig wird mir hier sicherlich nicht!
Nach so vielen neuen Eindrücken, Begegnungen und fordernden Arbeitstagen habe ich mich am Wochenende dann aber auch sehr auf das Ausschlafen und Sacken-Lassen der ersten Woche gefreut.
Woche 2: 16.03. – 20.03.2026
Schon ist die zweite Woche vorbei – und die Zeit vergeht hier schneller, als man schauen kann, so viel passiert jeden Tag. Auch in dieser Woche war ich überwiegend in Geiersthal eingesetzt und habe mich dort zunehmend an den Arbeitsalltag und den leckeren Cappucchino gewöhnt.
Unter den zahlreichen unterschiedlichen Konsultationsanlässen blieb mir besonders eine Patientin in Erinnerung: Sie kommt nur selten zum Arzt, war an diesem Tag jedoch mit starkem Herzrasen aufgewacht. Im EKG konnten wir eine Tachykardie bestätigen und diagnostizierten ein arrhythmisches, tachykardes Vorhofflimmern, sodass wir eine sofortige Einweisung ins Krankenhaus veranlassten. Umso schöner war es, die Patientin bereits zwei Tage später wieder in der Praxis zu sehen – sie bedankte sich herzlich für die fürsorgliche Behandlung.
Am Mittwoch, unserem Self-Teaching-Nachmittag, durften wir in der Praxis in Kirchberg einen Sonoraum für uns beanspruchen und schallten uns gegenseitig rauf und runter.
Zum Ende der Woche verbrachte ich noch einen Tag in der Praxis in Grafenau, wo ich erneut eine andere Arbeitsweise kennenlernen durfte. Die Möglichkeit, so viele unterschiedliche ärztliche Persönlichkeiten zu beobachten und von ihnen zu lernen, ist wirklich etwas Besonderes und sicherlich nicht selbstverständlich.
Nach einem anspruchsvollen Freitagvormittag in Kirchberg stand schließlich das wohlverdiente Wochenende vor der Tür.
Woche 3: 23.03. – 27.03.2026
Die dritte Woche im Bayerischen Wald begann für mich leider mit einer Erkältung, sodass ich meine Arbeitsbelastung zu Wochenbeginn etwas reduzieren musste. Dank der zahlreichen Online-Veranstaltungen war es mir jedoch möglich, auch von zu Hause aus wertvolle Inhalte mitzunehmen und weiterzulernen.
Ein besonderes Highlight war der Vortrag am Mittwoch zum Thema Testosteronmangel in der hausärztlichen Praxis, der mir spannende Einblicke in ein bislang wenig vertrautes Gebiet eröffnete. Darüber hinaus konnte ich meine praktischen ärztlichen Fähigkeiten in den Sprechstunden weiter ausbauen.
Beim gemeinsamen Abendessen mit meinem Mit-PJler Fynn bot sich zudem die Gelegenheit, den Tag zu reflektieren, unterschiedliche Fälle zu besprechen und sich über die Herausforderungen im Alltag auszutauschen.
Am Wochenende bekam ich Besuch und wir nutzten die Zeit für einige schöne Ausflüge: So besuchten wir den Großen Pfahl bei Viechtach, eine interessantes Naturdenkmal, und unternahmen außerdem einen Städtetrip nach Passau, das wir mit seiner besonderen Atmosphäre und den malerischen Gassen sehr empfehlen können.
Woche 4: 30.03. – 03.04.2026
Wow, schon ist ein Viertel meiner Zeit hier im Bayerischen Wald vergangen! Und trotzdem entdecke ich jeden Tag neue Wissenslücken, lerne neue Patient*innen und ihre Geschichten kennen und frage mich immer wieder: „Wie kann man jemals auf (fast) all diese Beratungsanlässe eine Antwort wissen?“ Vielleicht kann ich in weiteren drei Vierteln schon ein bisschen anders darüber denken.
Durch die selbstständige Arbeitsweise lerne ich hier auf jeden Fall jeden Tag, vollständiger und strukturierter zu arbeiten. Langsam schleichen sich die (guten) Routinen ein: Die Anamnese wird präziser und schneller, und das Theorie-wirrwarr im Kopf wird Stück für Stück entzerrt.
Diese Woche standen die letzten Tage vor dem langen Osterwochenende an – und zusätzlich eine Urlaubswoche für die Praxis in Geiersthal. Entsprechend groß war der Andrang: Viele wollten vorher noch „schnell alles abchecken lassen“. Vom Harnwegsinfekt über eingewachsene Zehennägel bis hin zur Wundkontrolle war wieder ein bunter Mix dabei.
Eine besonders typische Erfahrung in Ferienzeiten ist es, als Vertretungspraxis für andere Hausärztinnen zu fungieren. Mir war vorher nicht ganz klar, wie sehr sich Patientinnen und Hausärztinnen gegenseitig „finden“. Dabei zeigt sich, wie unterschiedlich und individuell wir unsere Arbeit gestalten können – aber auch, wie herausfordernd es ist, die Erwartungen der Patientinnen zu erfüllen, die sie von anderswo mitbringen. Vor allem fehlt uns oft die „gelebte Anamnese“. So saß zum Beispiel eine Patientin vor mir und sagte: „Ich habe Bauchschmerzen. Die habe ich schon seit zehn Jahren immer wieder, seit mir ein Stück Darm entfernt wurde. Mein Arzt gibt mir dann immer eine Spritze, dann ist es wieder gut.“
In diesem einen Satz stecken viele Informationen – und gleichzeitig viele offene Fragen: Warum gleich eine Spritze? Haben orale Medikamente nicht geholfen oder werden sie nicht vertragen? Wie sieht die genaue Schmerzanamnese aus? Warum wurde damals ein Teil des Darms entfernt? Welche Diagnostik ist bereits erfolgt, wenn die Beschwerden so häufig auftreten? Und nicht zuletzt: Was für eine Spritze ist überhaupt gemeint?
Und dann die nächste Herausforderung: Gebe ich ihr da eine Spritze oder gebe ich keine und wie vermittle ich ihr das?
In solchen Momenten wird deutlich, wie wertvoll es ist, Patient*innen über lange Zeit zu begleiten. Viele dieser Fragen müssen dann gar nicht mehr aktiv gestellt werden, sondern ergeben sich ganz selbstverständlich im Verlauf der gemeinsamen Betreuung. Wir haben letztlich eine gute Lösung gefunden, und ich hoffe, dass die Bauchschmerzen über Ostern wieder abgeklungen sind.
Zum Abschluss der verkürzten Woche kam sogar noch der Osterhase in der Praxis vorbei und verabschiedete mich mit reichlich Schokolade – die mir die lange Heimreise ins schöne Allgäu versüßt hat.
Woche 5: 06.04. – 10.04.2026
Diese Woche hat Geiersthal – mein Hauptarbeitsplatz – Urlaub, daher bin ich die gesamte Woche in Kirchberg eingesetzt. Das finde ich besonders spannend, da ich Kirchberg bisher nur aus einigen wenigen Nachmittagssprechstunden kenne und nun die Möglichkeit habe, richtig in den Praxisalltag dort einzutauchen. Jede Praxis funktioniert ein wenig anders, und so lernt man nicht nur fachlich viel dazu, sondern bekommt auch Einblicke in unterschiedliche organisatorische Abläufe.
Mit dem aufkommenden Frühling zeigt sich auch die Sonne wieder häufiger – und das habe ich sogar in der Praxis bemerkt. Über die Feiertage waren viele Patient*innen draußen oder im Garten aktiv, was sich deutlich in den Verletzungsmustern widerspiegelt. Von Schnittverletzungen durch Astscheren über Stürze vom E-Bike bis hin zu Zusammenstößen von Köpfen mit Balken oder Bordsteinen war alles dabei. Einige Patient*innen mussten wir direkt in die Notaufnahme weiterleiten. Der Vorteil dabei ist jedoch, dass wir ihre Geschichte von Anfang an kennen und den weiteren Verlauf gut mitverfolgen können. Wir erhalten die Befunde aus dem Krankenhaus und begleiten die Patient*innen, bis die Wunden vollständig verheilt sind. Dadurch entsteht häufig ein wiederkehrender Kontakt – und nicht selten auch eine gewisse Vertrautheit. Eine Patientin meinte beispielsweise: „Jetzt habe ich mich schon richtig an Sie gewöhnt.“ Und so geht es mir auch: Ich freue mich, bekannte Gesichter wiederzusehen und den Fortschritt miterleben zu können. Dieser kleine, aber spürbare Beziehungsaspekt, diese gelebte Anamnese gefällt mir sehr.
Was diese Woche auch sehr eindrücklich für mich war, ist die Zunahme meiner eigenen Selbstständigkeit. Man wird wirklich von Woche zu Woche sicherer und sammelt immer mehr Ideen, wie man den Leuten helfen kann. Also dran bleiben:)
Kleiner Ausflugstipp für’s Wochenende: die Stadt Krumlov in Tschechien, die haben wir diese Woche besucht und sie ist wirklich die kleine Reise wert. Es gibt eine riesige Burg die oberhalb des Stadtkerns und der Moldau thront, mit großem Schlossgarten, nette kleinen Gässchen mit schönen Lokalen und leckeren Baumstriezel zum Essen.
Woche 6: 13.04. – 17.04.2026
In der sechsten Woche stellte sich beinahe schon so etwas wie Routine ein: Morgens die Sprechstunde in Geiersthal – die Abläufe sind inzwischen vertraut, und es macht zunehmend Freude, eigenständig zu arbeiten – und nachmittags ging es dann weiter nach Kirchberg. Besonders schön ist es für mich, bekannte Gesichter wiederzusehen und mich nicht jedes Mal neu vorstellen zu müssen.
Diese Woche ist mir außerdem etwas ganz Besonderes passiert: Eine Patientin hat mir persönlich ein Glas Honig geschenkt. Darüber habe ich mich sehr gefreut – mein erstes ganz persönlich an mich gerichtetes Dankeschön, das mich wirklich stolz gemacht hat.
Die ersten beiden Tage verliefen wie gewohnt, doch am dritten Tag machte mir leider mein Auto einen Strich durch die Rechnung. Gerade hier ist das natürlich äußerst unpraktisch, da man ohne Fahrzeug kaum mobil ist. Zum Glück fand ich schnell eine gute Werkstatt, die den Schaden reparieren konnte. Dennoch musste ich für den Rest der Woche etwas umplanen. Dank der großen Flexibilität aller Beteiligten war aber auch das kein Problem: So verbrachte ich Donnerstag und Freitag wieder in der Praxis in Grafenau. Dort hatte ich die Gelegenheit, eine neue Kollegin persönlich kennenzulernen und ihren Arbeitsstil näher zu erleben.
Pünktlich zum Wochenende war mein Auto schließlich wieder einsatzbereit, sodass ich meine Reise in die Heimat wie geplant antreten konnte.
Woche 7: 20.04. – 24.04.2026
Bei wunderschönem Frühlingswetter bin ich nach einem verlängerten Wochenende wieder in Geiersthal gestartet. Wenn morgens schon die Sonne scheint, fällt das Aufwachen gleich viel leichter und man beginnt motivierter die anstrengenden, aber auch spannenden Tage.
Am Dienstag durfte ich am Nachmittag erneut eine Praxis in Auerbach besuchen. Es freut mich jedes Mal, so viele neue Eindrücke mitzunehmen. Zwar ist es anfangs immer etwas herausfordernd, sich auf den Rhythmus einer neuen Praxis einzustellen, gleichzeitig ist es aber unglaublich bereichernd, die unterschiedlichen ärztlichen Persönlichkeiten, Organisationsstrukturen und Räumlichkeiten kennenzulernen.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Patientin, die wir mit Aszites und Beinödemen ins Krankenhaus einweisen mussten. Da ich nur selten in Auerbach bin, werde ich ihren weiteren Verlauf wohl nur sporadisch mitverfolgen können – trotzdem interessiert mich sehr, welche Ursache letztlich hinter ihrem Krankheitsbild steckt.
Der Mittwoch brachte ein weiteres Highlight: Wir nahmen an einer nationalen Lehreinheit für Allgemeinmedizin zum Thema „Reiseimpfungen und Reiseberatung“ teil. Gerade im Hinblick auf die zunehmende Reiselust, aber auch im Kontext des Klimawandels, war das eine äußerst bereichernde Veranstaltung. Am Abend ging es direkt weiter mit dem nächsten Journal Club – unserem zweiten hier, aber gleichzeitig auch schon dem vorletzten. Es wurden wieder viele spannende Studien vorgestellt und engagiert diskutiert.
Am Donnerstag stand dann der lange Tag in Geiersthal an, mit Hausbesuchen in der Mittagspause und anschließender Sprechstunde. Auf der Heimfahrt war ich entsprechend erschöpft. Trotzdem konnte ich es mir bei diesem herrlichen Wetter nicht nehmen lassen, noch einmal nach draußen zu gehen und den schönen Park in Grafenau zu genießen.
Der Freitag ist mit einer Sprechstunde am Vormittag deutlich entspannter – ein früher Start ins Wochenende, was ich sehr zu schätzen weiß. Da zeigt sich einmal mehr: Augen auf bei der Arbeitsplatzwahl 🙂
Dieses Wochenende genieße ich den Bayerischen Wald und bin gespannt, was die kommende Woche bringen wird.
Woche 8: 27.04. – 01.05.2026
Diese Woche ist Halbzeit! Und das nicht nur im BayerWald sondern das ganze PJ ist jetzt schon halb vorbei. Daher ziehe ich hier mal eine kleine Zwischenbilanz: In die Allgemeinmedizin bin ich jetzt auf jeden Fall schon etwas reingewachsen, und ich merke, wie ich Schritt für Schritt mehr Verantwortung übernehmen kann. Besonders schön ist, dass ich mich mittlerweile wirklich als Teil des Teams empfinde. Das finde ich super, denn die zweite Hälfte steht mir ja noch bevor und da kann ich noch mehr zum Team beitragen und auf meine bisher gewonnene Selbstsicherheit aufbauen. Fazit: ich freue mich jetzt so richtig angekommen zu sein und auf die kommenden 8 Wochen!
Der Wochenstart diese Woche war alles andere als entspannt, schon direkt um 8 Uhr am Montagmorgen kam ein Patient mit deutlich reduziertem AZ “ihm gehe es seit gestern so schlecht”. Im EKG zeigte sich ein neu aufgetretenes Blockbild, alles andere war unauffällig. Wir riefen den Krankenwagen mit Verdacht auf Herzinfarkt und behandelten den Patienten unter Rücksprache mit dem Krankenhaus gleich mal an. Das brachte natürlich gleich zu Beginn den ganzen Praxisalltag durcheinander, doch wir hatten schnell wieder alles einigermaßen im Griff und konnten auch alle anderen Patienten gut versorgen.
Darüber hinaus gab es in dieser Woche wieder spannende fachliche Impulse. Ein Vortrag zum Thema DMP Osteoporose bot wertvolle Einblicke, und bei einem Besuch in der Praxis in Schöfweg konnte ich unter Anleitung von Fynn meine Ultraschall-Kenntnisse erweitern. Besonders motivierend war, dass ich das Gelernte bereits am nächsten Tag praktisch anwenden konnte – ein direkt spürbarer Fortschritt.
Ein besonders eindrücklicher Fall diese Woche war ein Patient mit einem nahezu lehrbuchhaften Arzneimittelexanthem, wobei die Ursache nicht so ganz eindeutig war, aber der Hautausschlag umso mehr. Die Therapie schlug zuerst auch gar nicht an, das merkten wir schnell bei einem eng gesteckten Kontrolltermin, sodass wir therapeutisch nochmal einen drauf setzen mussten. Dann wiederum war deutlich zu sehen, dass es dieses Mal funktioniert hat.
Eine eher ernüchternde Erfahrung machte ich im Bereich der Raucherentwöhnung. Vor einigen Wochen hatte ich mit einer Patientin – angeregt durch den Amboss-Podcast „Tabakabhängigkeit“ – einen konkreten Rauchstopp-Termin vereinbart. Am vereinbarten Tag kontaktierte ich sie telefonisch, doch sie zeigte sich nicht gesprächsbereit und beendete das Gespräch abrupt. Diese Situation hat mich zunächst überrascht und auch etwas frustriert, da ich sehr motiviert war, verschiedene Strategien zur Tabakentwöhnung praktisch umzusetzen. Gleichzeitig wurde mir dadurch noch einmal deutlich, wie herausfordernd Verhaltensänderungen für Patientinnen und Patienten sein können – und dass auch hier Geduld und Durchhaltevermögen gefragt sind – von allen Seiten.
Woche 9: 04.05. – 08.05.2026
Diese Woche war in den Bayerwaldpraxen wieder einiges los. Zusätzlich sind aktuell noch drei Blockpraktikant*innen da, was für unseren Self-Teaching-Sonokurs am Mittwoch natürlich perfekt war.
Ein besonderes Highlight für mich war diese Woche mein erster alleiniger Hausbesuch. Mit dem tollen E-Flitzer der Praxis ging es zu einer Patientin mit einer Lungenentzündung. Die zuvor abgenommenen Blutwerte im Kopf und das Stethoskop in der Hand – schon konnte es losgehen. Vor Ort begrüßte mich die Tochter, ließ mich herein und schilderte mir die aktuelle Situation sowie den Zustand der Patientin, die selbst nicht mehr richtig kommunizieren konnte. Dabei betreut man irgendwie gleich mehrere Generationen auf einmal: die einen eher seelsorgerisch, die anderen medizinisch.
Ich untersuchte die Patientin, machte ein Foto einer Entzündung am Bein und fragte, ob es noch offene Fragen gäbe. Anschließend besprachen wir gemeinsam das weitere Vorgehen und vereinbarten eine Kontrolle für die kommende Woche. Zurück in der Praxis war bereits ordentlich Betrieb, sodass es direkt weiter ging – die Dokumentation musste erst einmal warten.
So ein Hausbesuch ist wirklich etwas sehr Intimes. Die Wohnung und damit die ganz private Umgebung der Patient*innen zu sehen, schafft eine besondere Nähe. Mir gefällt es sehr, auf diese Weise eine Verbindung zu den Patient*innen aufzubauen.
Gleichzeitig habe ich diese Woche aber auch gemerkt, dass ich im Kontakt mit den Patient*innen etwas langsamer geworden bin und für vieles mehr Zeit brauche. Umso besser, dass jetzt erst einmal eine Woche Urlaub ansteht, damit ich danach wieder voller Elan starten kann.
Woche 10: 11.05. – 15.05.2026
Urlaub 🙂
Woche 11: 18.05. – 22.05.2026
Schön ist es, wieder in der Praxis zu sein – und trotz einer Woche Urlaub war ich direkt wieder mittendrin. Oder vielleicht doch nicht ganz: Seit Freitag wurde unsere IT umgestellt, und das ist eine echte Herausforderung! Alle Dosierpläne sind durcheinander, die Impfdokumentation nicht erreichbar, sämtliche Erinnerungsnachrichten verschwunden – und wo finde ich eigentlich nochmal die Sono-Befunde? Zum Glück wird mit jedem Tag alles ein bisschen sortierter. Dank unserer tollen MFAs finden auch wir von ärztlicher Seite uns langsam im neuen System zurecht.
Diese Woche durfte ich außerdem einen Teil der wöchentlichen Hausbesuchstour übernehmen und unter anderem unsere Patient*innen in einem Altenheim besuchen. Das war nochmal eine ganz neue Herausforderung: ohne PC unterwegs zu sein und trotzdem alle wichtigen Diagnosen, Medikamente und aktuellen Probleme im Kopf haben zu müssen, damit nichts Wichtiges vergessen wird. Besonders schwierig ist das natürlich, wenn man die Patient*innen zum ersten Mal kennenlernt. Zum Glück ist die Pflege in der Einrichtung großartig und begleitet mich zu allen Bewohner*innen und erzählt mir jeweils, was gerade wichtig ist.
So lerne ich eine Patientin kennen, die mir auf dem Gang entgegenkommt, fröhlich sagt, bei ihr sei alles in Ordnung, und direkt weiter spaziert. Dann ein Ehepaar, bei dem die Ehefrau stark dement ist, während ihr Mann gerade mit einem Ausschlag zu kämpfen hat. Oder auch einen Patienten, der aktuell in Kurzzeitpflege ist und nur vorübergehend für zwei Wochen von uns betreut wird.
Außerdem ist uns diese Woche eine Patientin direkt vor der Praxis im Wartezimmer synkopiert. Wir haben sofort alle Vitalparameter gemessen, die glücklicherweise unauffällig waren, und den Rettungswagen gerufen. Die Patientin wurde mitgenommen, und ich bin gespannt, welche Diagnose später im Krankenhausbericht stehen wird – in der akuten Situation waren wir ehrlich gesagt ziemlich ratlos. Ich hoffe sehr, dass es ihr schnell wieder besser geht.
Am Mittwoch ging es bei uns um das neue Lungenkrebsscreening, und es wurde ordentlich diskutiert: Wie sinnvoll ist das eigentlich? Ist es gerecht? Und wäre es nicht besser, präventiver an das Thema Lungenkrebs heranzugehen? Passend dazu haben wir uns intensiver mit dem Thema Rauchentwöhnung beschäftigt. Dabei zeigt sich immer wieder: Das einfachste evidenzbasierte Mittel für uns Ärzt*innen ist tatsächlich, das Thema regelmäßig anzusprechen und dranzubleiben 🙂
Ein guter Reminder, darauf wieder mehr Fokus zu legen.
Mit diesem kleinen Rat verabschiede ich mich jetzt ins lange Pfingstwochenende.
Woche 12: 25.05. – 29.05.2026
Diese Woche bestand für mich nur aus zwei Tagen – gleichzeitig waren das die letzten beiden Tage in Geiersthal vor dem Praxisurlaub. Dazu kam, dass rundherum gerade alle anderen Praxen geschlossen hatten und wir deren Vertretung übernommen haben. So sind mir Patient*innen aus insgesamt vier verschiedenen Arztpraxen begegnet.
Dabei ist mir bewusst geworden, wie wertvoll eine Absprache zwischen den Praxen in der Umgebung ist, damit am Ende nicht eine Praxis völlig überrannt wir. Offensichtlich klappt das mal besser, mal schlechter. Für die Zukunft merke ich mir auf jeden Fall, dass ein kollegiales Miteinander nicht nur innerhalb der eigenen Praxis, sondern auch in der regionalen Versorgung wichtig ist.
Die letzten Tage waren entsprechend sehr arbeitsreich, und wir haben versucht, allen Patient*innen bestmöglich zu helfen. Besonders spannend war für mich ein Patient mit einem Hundebiss – ein Fall, bei dem ich bisher noch nicht direkt involviert war. Ich habe mich gefragt, worauf genau man achten muss: Wie versorgen wir die Wunde? Welches Antibiotikum ist geeignet und in welcher Dosierung?
Auch schön war, dass meine Eltern zu Besuch waren und wir die Abende gemeinsam ausklingen lassen konnten. Meine Mum fragte mich: „Nimmst du denn aus der Hautarztpraxis hier jetzt etwas mit?“ – Aber klar! Zum einen die Erkenntnis, niemals mit Vorerwartungen in ein Sprechzimmer zu gehen. Egal, welche Informationen man vorher hat, oft stellt sich der Patient doch ganz anders dar – also immer offen und fokussiert auf die Person eingehen. Zum anderen habe ich mitgenommen, wie wertvoll der Austausch unter allen Mitarbeitenden ist, besonders bei schwierigen Fällen, bei denen man alleine nicht weiterkommt.
Und nicht zuletzt für den Wohlfühlfaktor im stressigen Sprechstundebetrieb: Es tut einfach gut, wenn jemand mal Kaffee oder Tee für alle kocht.
Jetzt geht es auf in das letzte Viertel, und ich freue mich darauf, die letzten Wochen vor dem Tertialwechsel noch richtig zu genießen!
Woche 13: 01.06. – 05.06.2026
Diese Woche war ich wieder einmal in Kirchberg eingesetzt, da in Geiersthal Urlaubszeit ist – wohl verdient.In den letzten Wochen hatten wir eine Systemumstellung, die alles andere als reibungslos verlief…
Außerdem begleitet mich diese Woche eine argentinische Kollegin, die für zwei Monate bei uns hospitiert.Jetzt bin ich irgendwie schon so lange da, dass ich inzwischen neuen Kolleg*inen das Praxissystem und unsere Arbeitsweise erklären kann – verrückt wie schnell das ging.
Mit den zunehmend sommerlichen Temperaturen begegnen uns aktuell häufiger Zeckenstiche, die Sorge vor Borreliose oder Fragen rund um die FSME-Impfung. Da dieses Thema diese Woche bei uns so präsent war, fand ich es besonders interessant zu erfahren, dass es in Argentinien praktisch keine Rolle spielt. Im Austausch mit meiner Kollegin haben wir einige Unterschiede entdeckt, aber auch erstaunlich viele Gemeinsamkeiten.
Ein großer Unterschied betrifft leider die Verfügbarkeit von Ressourcen. Zum Beispiel Kompressen – was ist schon eine Kompresse bei uns, aber in Argentinien hingegen zählt jede Einzelne. Die grundsätzliche Arbeitsweise scheint jedoch recht ähnlich zu sein, sodass wir bestimmt bald tatkräftige argentinische Unterstützung bekommen. Ich ziehe aber auch jetzt schon meinen Hut davor, Deutsch als Fremdsprache zu lernen und dann möglicherweise hier zu arbeiten in so einem kommunikativen Beruf wie dem der Hausärztin oder des Hausarztes!
Für mich geht es diese Woche außerdem noch zum Bundesfortbildungskongress für Allgemeinmedizin – kurz BAM – nach Berlin. Da ich diesen Erfahrungsbericht gerade im Zug auf dem Weg dorthin schreibe, kann ich bisher nur von meinen Eindrücken aus dem letzten Jahr berichten: Es war großartig.
Dieses Jahr passt die Teilnahme für mich sogar noch besser, weil ich nun echte Erfahrungen aus der Praxis im Gepäck habe. Ich komme mit alltagsnahen Fragestellungen an und kann gezielt Kurse auswählen, die mein praktisches Handwerkszeug erweitern. Deshalb kann ich den Kongress nur empfehlen!
Woche 14: 08.06. – 12.06.2026
Der BAM war toll und unglaublich motivierend. Entsprechend startete ich voller Energie in die neue Woche. Außerdem war ich zurück in Geiersthal und freute mich auf die letzten Wochen in „meiner“ inzwischen sehr liebgewonnenen Praxis.
Diese Woche fiel mir besonders auf, wie viel sicherer ich mich inzwischen – gerade im Vergleich zum Beginn dieses Tertials – beim Treffen von Entscheidungen fühlte. Ein Patient stellte sich mit zunehmenden Schmerzen an der Ferse vor. Anfangs seien die Beschwerden nur beim Auftreten aufgetreten, inzwischen habe er die Schmerzen jedoch auch in Ruhe. An ein Trauma konnte er sich nicht erinnern. Ansonsten war die Untersuchung weitgehend unauffällig: Druckschmerz an der Fußsohle und ein hinkendes Gangbild. Und gerade frisch vom Kongress, auf dem ich über solche Fälle nachgedacht hatte, kam mir ein Fersensporn mit möglicher Plantarfasziitis in den Sinn. Ich schaute noch einmal kurz in Deximed nach und war mir dann eigentlich recht sicher. Entsprechend entschied ich mich für eine Therapie, die wir anschließend auch so umsetzten.
Das war ein schönes Erlebnis. Als ich zunächst „Fersenschmerzen“ las, war meine erste innere Reaktion noch: „Oh weh, keine Ahnung.“ Doch mit einer fokussierten Anamnese und einer gründlichen Untersuchung wurde das Bild plötzlich klar. Es fühlte sich alles schon deutlich natürlicher und einfacher an. Da war kein diffuser Gedankennebel voller Fragezeichen mehr, sondern am Ende ein klares Bild und eine begründete Entscheidung.
Schwierig finde ich allerdings die Nachverfolgung solcher Fälle – auch für das eigene Lernen. Diesen Patienten werde ich vielleicht gar nicht mehr sehen. Das kann bedeuten, dass alles gut geworden ist. Es kann aber auch sein, dass er zu jemand anderem gegangen ist oder zwar erneut in der Praxis war, aber nicht bei mir. Da muss man wirklich aktiv dranbleiben, um die eigenen Erfolge, aber auch mögliche Fehleinschätzungen nachvollziehen zu können.
Unser mittwöchliches Self-Teaching unter uns PJler*innen drehte sich diesmal um Schwindel und die Untersuchung der unteren Extremität. Zugegeben: Die Themen passen nicht wirklich zusammen. Andererseits gehören beide zum hausärztlichen Alltag und stehen fast täglich auf dem Programm. Genau so war es dann auch bei mir. Am Mittwoch beschäftigten wir uns ausführlich damit und klopften sogar mal wieder Reflexe. Bereits am Donnerstag konnte ich meine neue Struktur zur Schwindelabklärung direkt anwenden, ein schmerzendes Knie untersuchen und bei einem Patienten die Reflexe der unteren Extremität prüfen. Das ist mal eine gelungene Lernspirale.
Ein besonderes Highlight der Woche war wieder der Journal Club am Mittwochabend. Dort wurde lebhaft über Harnsäuresenkung, Sport bei Depressionen und den Einsatz von Betablockern diskutiert.
So langsam neigt sich die intensive Zeit hier dem Ende zu, und ich merke schon jetzt, dass ich ein wenig wehmütig werde.
Woche 15: 15.06. – 19.06.2026
Diese Woche war meine letzte Woche in der Hausarztpraxis – und vor allem in „meiner“ Praxis in Geiersthal. Wow, wie schnell die Zeit vergangen ist! Deshalb wollte ich die letzten Tage noch einmal ganz bewusst auskosten und genießen.
Gleichzeitig war die Woche auch von vielen Abschieden geprägt, die mir gezeigt haben, wie wohl ich mich hier inzwischen fühle. Es ist schon verrückt: Oft braucht man so lange, um irgendwo wirklich anzukommen, und genau dann, wenn alles richtig gut passt, ist es Zeit zu gehen.
Also hieß es: Am Montag zum letzten Mal nach Kirchberg, am Dienstag die letzten Hausbesuche, am Mittwoch das letzte Self-PJ-Teaching, am Donnerstag die letzte Fallbesprechung und am Freitag – tja – der letzte Tag in der Praxis Geiersthal.
Trotz all dieser Abschiede habe ich noch einmal unglaublich viele schöne Erinnerungen gesammelt. Wir haben uns gemeinsam noch einmal Regen genauer angeschaut und das gesamte Tertial Revue passieren lassen. Außerdem durfte ich mit dem Team der Praxis Geiersthal zum Abschied essen gehen – ein wunderbarer Abend bei leckerer Pizza!
Auch die Zeit mit meinen Mitbewohner*innen (inzwischen waren wir zu viert) geht zu Ende und wir genossen am Donnerstag zum Abschluss argentinische Empanadas und Rotwein.
Und schließlich gab es am Freitag zum Abschied eine herzliche Umarmung von jedem Einzelnen aus meiner Praxis.
Mein Fazit: Die Zeit hier war wirklich eine Achterbahnfahrt – mit Höhen, Herausforderungen und vielen besonderen Momenten. Und wie nach jedem Abenteuer bin ich einfach dankbar, es erlebt zu haben.
Danke für euer Vertrauen, die vielen großartigen Lehrangebote, die herzliche Aufnahme ins Team und euer Engagement für uns junge Menschen in der Ausbildung. Ich habe hier unglaublich viel gelernt – fachlich, menschlich und persönlich. Dieses Wissen und diese Erfahrungen werden mich noch lange begleiten.
Woche 16: 22.06. – 26.06.2026
So, jetzt hatte ich letzte Woche schon meine Praxis und das „Allgemeinmedizin-Setting“ verlassen – doch noch nicht den Bayerischen Wald. Diese Woche durfte ich noch in Schaufling in der Reha-Klinik hospitieren.
Das kann ich wirklich nur wärmstens weiterempfehlen. Ich habe super viele verschiedene Angebote ausprobieren und besuchen dürfen: Gerätetraining, Akkupunktur, Ernährungsberatung, Lehrküche, ärztliche Visite bis hin zu Gelenkultraschall und Wundversorgung. Diese Erfahrung will ich wirklich nicht missen.
Es waren sehr intensive Tage – und sie haben sich absolut gelohnt. Doch dann war jetzt wirklich meine Zeit im Bayerwald zu Ende. Ich habe nochmal meine Lieblingsorte abgeklappert und dann ging’s ab ins Auto – auf zum nächsten Tertial.
Vielen Dank an alle für die tolle Zeit!
Hauptstandort Kirchberg
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94259 Kirchberg
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