
Solveig Hörnig
Praktisches Jahr
29.12.2025 – 19.04.2026
Woche 1: 29.12.2025 – 02.01.2026
Meine PJ-Zeit in der Allgemeinmedizin begann mit einer längeren Anreise: Rund 300 Kilometer trennten mich von meinem Heimatort und meinem neuen Einsatzort Kirchberg. Während zu Hause noch milde +6 Grad herrschten, wurde es unterwegs zunehmend winterlicher. In Kirchberg angekommen erwarteten mich Temperaturen zwischen −4 und −1,5 Grad.
Die Fahrt selbst war fast schon symbolisch für den Übergang in einen neuen Abschnitt: Bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein gestartet, führte mich der Weg über mehr als 100 Kilometer durch dichten Nebel. Erst etwa zehn Kilometer vor dem Ziel lichtete sich dieser plötzlich – und machte den Blick frei auf die leicht verschneite Landschaft rund um Kirchberg.
Im schönsten Abendrot erreichte ich schließlich die Wohnung. Der erste Eindruck hätte kaum besser sein können: ein wunderschöner Ausblick, ein ruhiger Ort und ein beeindruckender Sonnenuntergang, der den Anreisetag perfekt abrundete und die Vorfreude auf die kommenden Wochen steigerte.
Der Montag markierte meinen ersten offiziellen Arbeitstag in der Praxis von Dr. Höllein. Auch an diesem Morgen zeigte sich der Himmel strahlend blau, bei winterlichen −10 Grad. Vom gesamten Praxisteam wurde ich sehr freundlich empfangen, sodass ich mich von Beginn an willkommen fühlte. Zunächst wurden die organisatorischen und bürokratischen Formalitäten erledigt, bevor ich rasch in den Praxisalltag eingebunden wurde.
Schon am ersten Tag konnte ich eine Vielzahl unterschiedlicher Krankheitsbilder kennenlernen. Diese reichten von banalen Infekten und Erkältungserkrankungen über die Konsultation bezüglich einer Medikationsänderung mit Madopar bei Verdacht auf ein Parkinson-Syndrom bis hin zur chronischen Wundversorgung bei einem Ulcus cruris, Fadenentfernung nach OP sowie einer Konsultation bei Wundinfekt bei Status nach Venenexhairese. Die Bandbreite der allgemeinmedizinischen Versorgung wurde mir dabei sehr eindrücklich vor Augen geführt.
Im Verlauf standen meine ersten 4 Hausbesuche auf dem Programm. Dabei wurde mir noch einmal besonders deutlich, wie wichtig dieser Teil der allgemeinmedizinischen Versorgung ist – vor allem für ältere oder mobil eingeschränkte Patientinnen und Patienten.
Die Hausbesuche ermöglichten mir einen Einblick in die medizinische Betreuung außerhalb der Praxisräume und zeigten, wie eng medizinische Versorgung und das soziale Umfeld der Patientinnen und Patienten miteinander verknüpft sind.
Woche 2: 05.01. – 09.01.2026
In der zweiten Woche meines PJ- Tertials in der Allgemeinmedizin konnte ich zunehmend selbstständiger arbeiten. Ich führte Anamnesen und körperliche Untersuchungen durch, formulierte Therapievorschläge und besprach diese anschließend mit dem betreuenden Arzt. Bereits zu Beginn der Woche war das Spektrum der Krankheitsbilder erneut breit gefächert. Neben zahlreichen Infektkonsultationen, die weiterhin einen großen Teil des Praxisalltags ausmachten, gab es auch akute und potenziell ernsthafte Fragestellungen. So stellte sich unter anderem ein Patient mit starker Dyspnoe bei Status nach Hüft- TP vor. Es bestand der Verdacht auf eine Lungenembolie, was ein strukturiertes Vorgehen und eine sorgfältige klinische Einschätzung erforderte. Besonders spannend empfand ich die orthopädisch- funktionelle Untersuchung der Wirbelsäule bei einer Patientin mit Skoliose und Beckenschiefstand. Dort konnte ich meine erworbenen Untersuchungskenntnisse aus der Chirurgie einsetzen und verfestigen. Auch kleinere praktische Tätigkeiten kamen nicht zu kurz. Neben einer erneuten unkomplizierten Fadenentfernung stellten auch banale Ohrspülungen bei Cerumen obturans eine willkommene Abwechslung dar. Zudem durfte ich zunehmend selbstständig Rezepte, Überweisungen und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausstellen.
Auch die Blutdruckeinstellung eines Patienten nach stattgehabter Aortendissektion verdeutlichte mir, wie engmaschig und verantwortungsvoll die hausärztliche Nachbetreuung komplexer kardiovaskulärer Erkrankungen erfolgt.
Im weiteren Verlauf der Woche wurde der Praxisalltag deutlich ruhiger, insbesondere nahm die Zahl der grippalen Infekte spürbar ab. Dies ermöglichte intensivere Gespräche und eine differenziertere Betreuung einzelner Patientinnen und Patienten.
Ein häufiger Vorstellungsgrund waren Rückenschmerzen, unter anderem bei einem Patienten mit paravertebralen Kribbelparästhesien und ausgeprägter muskulärer Verspannung kranial eines druckdolenten Wirbels. Auch die Nachbetreuung nach erstmaliger medikamentöser Blutdruckeinstellung im Krankenhaus war Teil des Praxisalltags. Hier standen vor allem Unsicherheiten des Patienten im Vordergrund, die in einem beratenden Gespräch aufgegriffen und geklärt werden konnten. Ich führte präoperative Anamnesen, Untersuchungen und Aufklärungen durch und hatte Gelegenheit Ultraschalluntersuchungen zu üben. Dermatologische Fragestellungen rundeten das breite Spektrum ab, wie die Feststellung eines dyshidrotischen Ekzems sowie eines Raynaud-Syndroms.
Insgesamt war die zweite Woche inhaltlich ausgesprochen lehrreich. Die zunehmende Eigenständigkeit, die Vielfalt der Krankheitsbilder und der enge Patientenkontakt zeigen mir immer mehr die besondere Rolle der Allgemeinmedizin als koordinierendes und ganzheitliches Fach. Ich freue mich bereits auf die kommende 3. Woche.
Woche 3: 12.01. – 16.01.2026
Die dritte Woche war erneut abwechslungsreich und bot viele Gelegenheiten, Verantwortung zu übernehmen und klinische Entscheidungsprozesse aktiv mitzugestalten. Ich erhob Anamnesen, führte körperliche Untersuchungen durch, beurteilte Befunde, erstellte Therapievorschläge, organisierte Überweisungen, stellte Rezepte aus und fertigte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen an. Dieses eigenverantwortliche Arbeiten empfand ich als besonders lehrreich und motivierend.
Ein Schwerpunkt lag in der Durchführung präoperativer Untersuchungen sowie von Check-up-35-Untersuchungen. In diesem Rahmen stellte ich ein neu aufgetretenes leises Systolikum mit Punktum maximum im fünften Interkostalraum medioklavikulär fest, was den Verdacht auf eine Mitralklappeninsuffizienz nahelegte. Durch selbstständiges Sonographieren konnte ich zudem meine praktischen Ultraschallfähigkeiten weiter festigen.
Eine neue Erfahrung war meine erste Akupunkturbehandlung. Dabei erhielt ich einen Einblick in diese ergänzende Therapiemethode, die in der Allgemeinmedizin häufig ergänzend zur konventionellen Behandlung angewendet wird.
Neben den klassischen Krankheitskonsultationen nahmen auch umfangreichere Beratungsanlässe einen großen Raum ein. Dabei ging es häufig um präventive Fragestellungen, Therapieentscheidungen und die langfristige Begleitung chronischer Erkrankungen.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Woche war die Beratung von Patientinnen und Patienten zu Blutwerten und daraus resultierenden therapeutischen Maßnahmen. Insbesondere bei Hypercholesterinämie standen neben der medikamentösen Therapie vor allem Lebensstilmaßnahmen wie Ernährung, Bewegung und Gewichtsreduktion im Vordergrund.
Insgesamt war die dritte Woche geprägt von praktischer Tätigkeit, neuen diagnostischen und therapeutischen Einblicken sowie intensiven Patientenkontakten. Die Allgemeinmedizin zeigt sich für mich weiterhin als vielseitiges Fach mit großem Gestaltungsspielraum und einem hohen Maß an Verantwortung.
Woche 4: 19.01. – 23.01.2026
Ein besonderer Schwerpunkt dieser Woche lag auf der Durchführung zahlreicher Check-up-Untersuchungen. Bereits zu Beginn der Woche füllte sich der Terminplan mit Vorsorgeuntersuchungen, bei denen ich die Patientinnen und Patienten eigenständig anamnestisch befragte, körperlich untersuchte und die weiteren Schritte vorbereitete. In diesem Rahmen hatte ich erneut sehr viel Gelegenheit, sonographische Untersuchungen durchzuführen. Vom Aufsetzen des Schallkopfes bis zur gemeinsamen Befundbesprechung konnte ich meine praktischen Ultraschallkenntnisse weiter vertiefen und gewann zunehmend Sicherheit in der systematischen Untersuchung und Bildinterpretation.
Parallel dazu begegnete mir ein breites Spektrum an Wundbildern – von unkomplizierten, gut heilenden Verletzungen bis hin zu chronischen und schwieriger zu versorgenden Wunden. Ich übte mich in einer strukturierten Wundbeurteilung und war aktiv in die Versorgung eingebunden.
Ein weiterer prägender Bestandteil der Woche waren zahlreiche Hausbesuche. Gemeinsam mit dem betreuenden Arzt war ich regelmäßig unterwegs, um Patientinnen und Patienten zu versorgen, die den Weg in die Praxis nicht mehr selbstständig bewältigen konnten. Besonders eindrücklich empfand ich die Visiten im Pflegeheim. In kurzer Zeit mussten hier teils auch komplexe medizinische Situationen eingeschätzt, Therapieentscheidungen getroffen und gleichzeitig pflegerische, soziale und organisatorische Aspekte berücksichtigt werden.
Auch in der Praxis selbst kamen diagnostische Maßnahmen nicht zu kurz. Ich führte EKG- und Blutdruckmessungen durch, wertete Langzeit-Blutdruckmessungen sowie Laborbefunde aus und besprach die Ergebnisse ausführlich mit den Patientinnen und Patienten. Dabei standen nicht nur Zahlen im Vordergrund, sondern vor allem deren Bedeutung für den individuellen Gesundheitszustand. Auf dieser Grundlage konnte ich gemeinsam mit dem betreuenden Arzt das weitere diagnostische und therapeutische Vorgehen planen und einleiten.
Woche 5: 26.01. – 30.01.2026
Die fünfte Woche meines PJ-Tertials in der Allgemeinmedizin begann mit Schneefall und winterlichen Straßenverhältnissen – ein Rahmen, der den weiteren Verlauf der Woche überraschend treffend widerspiegelte. Bereits zu Wochenbeginn wurde deutlich, dass ein großer Teil meiner Tätigkeit diesmal außerhalb der Praxis stattfinden würde.
Fast schon sinnbildlich für diese Woche war das Fahren zu den Hausbesuchen: Glatte Straßen und langsamer Verkehr verlangten viel Konzentration – und wurden schnell zu einer zusätzlichen, ganz praktischen Lernerfahrung. Meine Fähigkeiten, bei Schnee und Eis sicher zu fahren, verbesserten sich im Laufe der Woche deutlich. Gerade in einer ländlichen Region gehört auch diese Seite der Mobilität untrennbar zum hausärztlichen Alltag. Gemeinsam mit dem betreuenden Arzt war ich nahezu täglich unterwegs, um Patientinnen und Patienten zu versorgen, die aufgrund von Mobilitätseinschränkungen, akuten Beschwerden oder zur Verlaufskontrolle nicht selbst in die Praxis kommen konnten. Gerade im winterlichen Setting wurde mir noch einmal bewusst, welche Bedeutung die hausärztliche Versorgung im häuslichen Umfeld hat – insbesondere für ältere und multimorbide Menschen.
Wie gewohnt übernahm ich in der Praxissprechstunde eigenständig Anamnesen, körperliche Untersuchungen, interpretierte Befunde, wertete die bisherigen Verläufe aus und besprach mögliche Therapieanpassungen mit dem betreuenden Arzt.
Auch diagnostisch konnte ich mich in dieser Woche weiterentwickeln. In der Praxis hatte ich wieder vermehrt Gelegenheit, selbst sonographisch zu untersuchen. Dabei vertiefte ich insbesondere die Abdomensonographie (und auch die Schilddrüsensonographie) und lernte typische, häufig zufällig entdeckte Befunde wie Nierenzysten, Zysten oder Knoten der Schilddrüse oder ein Leberhämangiom sicherer zu erkennen und richtig einzuordnen. Die direkte Rückmeldung im Anschluss an die Untersuchungen half mir, meine Bildinterpretation stetig zu verbessern.
Besonders eindrücklich war in diesem Zusammenhang auch meine Durchführung einer FAST-Sonographie bei einer Patientin mit V.a. ein Ovarialkarzinom. Hierbei zeigte sich ein erneuter Pleuraerguss, der im klinischen Gesamtkontext als maligne bedingt eingeordnet wurde.
Insgesamt arbeitete ich in dieser Woche wieder sehr selbstständig. Von der Anamnese über die körperliche Untersuchung bis hin zur Befundbesprechung, der Vorbereitung des weiteren Vorgehens, Rezept- und Überweisungsausstellung lag vieles in meiner Verantwortung. Die abschließende Rücksprache mit dem betreuenden Arzt gab mir dabei zunehmend Sicherheit in meinem klinischen Vorgehen.
Rückblickend war die fünfte Woche nicht nur fachlich, sondern auch organisatorisch und persönlich eine besondere Erfahrung. Die Kombination aus intensiver Hausbesuchstätigkeit, vertiefter Sonographie und selbstständigem Arbeiten zeigte mir eindrücklich, wie vielseitig und gleichzeitig bodenständig die Allgemeinmedizin im täglichen Einsatz ist.
Woche 6: 02.02. – 06.02.2026
Die sechste Woche meines PJ-Tertials stand für mich ganz im Zeichen der Neurologie. Bereits zu Beginn der Woche fiel auf, dass sich ungewöhnlich viele Patientinnen und Patienten mit neurologischen Fragestellungen in der Sprechstunde vorstellten. Dadurch ergab sich für mich die Gelegenheit, die neurologische Untersuchung über mehrere Tage hinweg immer wieder anzuwenden und zu festigen.
Ich führte bei zahlreichen Patientinnen und Patienten systematisch neurologische Untersuchungen durch – von der Prüfung der Hirnnerven über Kraft, Sensibilität bis hin zu Koordination und Gangbild.
Besonders war für mich die Betreuung von Patientinnen und Patienten mit komplexen und teils seltenen neurologischen Krankheitsbildern. Unter anderem stellte sich eine Patientin mit einem bekannten Pseudotumor cerebri, als auch ein Patient mit Z.n. Hirnblutung vor.
Auch Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose gehörten in dieser Woche zum festen Bestandteil der Sprechstunde. Hier wurde mir besonders bewusst, wie wichtig eine langfristige hausärztliche Begleitung ist – nicht nur in Bezug auf die neurologischen Symptome, sondern auch hinsichtlich Begleiterkrankungen, Medikation und psychosozialer Belastung.
Mehrere Konsultationen betrafen zudem Patientinnen und Patienten nach überstandenem Schlaganfall oder nach einer Hirnblutung. In den Gesprächen standen häufig anhaltende funktionelle Einschränkungen, Fatigue und Unsicherheiten im Alltag im Mittelpunkt.
Ein besonders spannender und gleichzeitig eindrücklicher Moment der Woche war die Vorstellung eines Patienten mit erneut aufgetretenem Vorhofflimmern. Nach der klinischen Untersuchung und EKG-Diagnostik wurde rasch entschieden, den Patienten zur weiteren Abklärung und Behandlung ins Krankenhaus einzuweisen. Im weiteren Verlauf erfolgte dort eine Kardioversion sowie eine Aufsättigung mit Amiodaron.
Die Diagnose und Therapie einer COPD Exazerbation stellte am Ende der Woche eine gelungene Abwechslung dar.
Rückblickend war diese Woche für mich fachlich besonders intensiv. Die Vielzahl neurologischer Krankheitsbilder ermöglichte es mir, meine Kenntnisse der neurologischen Untersuchung deutlich zu vertiefen und gleichzeitig ein besseres Gefühl dafür zu entwickeln, welche Befunde im hausärztlichen Alltag richtungsweisend sind.
Woche 7: 09.02. – 13.02.2026
Die siebte Woche meines PJ-Tertials war vor allem durch viele Hausbesuche geprägt und fühlte sich für mich wie ein weiterer Schritt in Richtung echter hausärztlicher Eigenständigkeit an. Bereits an den meisten Tagen ging es zur Mittagszeit regelmäßig hinaus zu Patientinnen und Patienten, die nicht mehr selbst in die Praxis kommen konnten. Die Wege, die kurzen Übergaben im Auto und das direkte Eintauchen in die häusliche Situation der Menschen gehören inzwischen ganz selbstverständlich zu meinem Alltag.
Ein besonderer Tag war der Donnerstag, an dem der gesamte Vormittag ausschließlich für Hausbesuche eingeplant war. Für mich war das vor allem deshalb besonders, weil ich an diesem Tag erstmals mehrere Hausbesuche eigenständig durchführen durfte. Dazu gehörte unter anderem eine einfache Blutdruckkontrolle mit Überprüfung des RR- und Symptomprotokolls, die Verlaufskontrolle nach einer Knieprellung sowie ein Routinebesuch bei einem Patienten, der schon längere Zeit nicht mehr in der Praxis gewesen war. Besonders eindrücklich war jedoch ein akuter Hausbesuch, der während der laufenden Sprechstunde organisiert werden musste. Eine Patientin berichtete über plötzlich einschießende, starke Rückenschmerzen, sodass eine zeitnahe klinische Einschätzung vor Ort notwendig wurde.
Sehr prägend war in dieser Woche auch ein Hausbesuch bei einer Patientin nach operativer Versorgung einer Spinalkanalstenose. Sie litt unter ausgeprägten Schmerzen und war nicht ausreichend in der Lage, sich selbstständig zu mobilisieren. Gemeinsam passten wir die Schmerzmedikation an, verordneten eine krankengymnastische Behandlung für zu Hause als Überbrückung und leiteten die Organisation einer weiterführenden Rehabilitationsmaßnahme ein.
Auch in der Sprechstunde selbst spielten orthopädische Fragestellungen eine große Rolle. Unter anderem stellte sich ein Patient nach Knie-Totalendoprothese vor, der über laterale Instabilitätsgefühle und eine begleitende Geräuschentwicklung im Knie berichtete.
Ein weiterer spannender Fall betraf die Abklärung einer möglichen Schulterprothese bei fortgeschrittener Omarthrose. Besonders wichtig war hier die Berücksichtigung des Berufes des Patienten, da die funktionellen Anforderungen im Alltag eine zentrale Rolle für die Therapieentscheidung spielen, als auch die funktionelle und bildgebende Überprüfung der Funktion der Rotatorenmanschette, um beurteilen zu können, ob gegebenenfalls die Indikation für eine inverse Schulterprothese in Betracht kommt.
Rückblickend war die siebte Woche vor allem durch die Vielzahl an Hausbesuchen und meine ersten eigenständig durchgeführten Visiten im Heim von Patienten geprägt. Ich erlebte die Allgemeinmedizin in dieser Woche besonders nah an den Lebensrealitäten der Patientinnen und Patienten – und gleichzeitig als zentrales Bindeglied zwischen Akutversorgung, Nachbetreuung und langfristiger Begleitung.
Woche 8: 16.02. – 20.02.2026
Die achte Woche meines PJ-Tertials begann für mich mit einem vertrauten Gefühl von Routine – und gleichzeitig mit dem Bewusstsein, wie viel Verantwortung ich inzwischen im Praxisalltag übernommen hatte. Vor allem Hausbesuche erledigte ich bereits weitgehend selbstständig. Von der Vorbereitung der Unterlagen über die Planung der Route bis hin zur klinischen Einschätzung vor Ort lag vieles in meiner eigenen Hand.
Wie jeden Donnerstag: Der gesamte Vormittag war ausschließlich für Hausbesuche reserviert. In kurzer Abfolge fuhren wir mehrere Adressen an. Es wurden Blutentnahmen durchgeführt, DMP-Kontrollen vorgenommen und auch akute Konsultationen übernommen.
Zurück in der Praxis setzte sich dieses Gefühl der Selbstständigkeit fort. In der Sprechstunde arbeitete ich – wie in den vergangenen Wochen – überwiegend eigenständig, führte Anamnesen und Untersuchungen durch, beurteilte Befunde, bereitete die weiteren diagnostischen und therapeutischen Schritte vor und besprach diese anschließend mit dem behandelnden Arzt.
Ein kleines Highlight war eine gezielte Leistenultraschalluntersuchung bei Verdacht auf eine Leistenhernie. Besonders wichtig war dabei die differenzialdiagnostische Abgrenzung zu einer vergrößerten Lymphknotenstruktur im Leistenbereich.
Ein weiterer abwechslungsreicher Moment dieser Woche ergab sich bei der Versorgung einer chronischen Wunde. Dabei führte ich ein scharfes Debridement durch. Schritt für Schritt entfernte ich avitales und belegtes Gewebe, um eine saubere Wundbasis zu schaffen und die Voraussetzungen für eine bessere Heilung zu verbessern.
Woche 9: 23.02. – 27.02.2026
Die neunte Woche meines PJ-Tertials war geprägt von einem sehr gut eingespielten Praxisalltag.
Ein wichtiger Teil der Woche war die Organisation und Durchführung von Einweisungen ins Krankenhaus, Rehasportmaßnahmen und Rehaanträgen. Dabei wurde erneut deutlich, wie eng hausärztliche Betreuung und die Koordination von Anschlussbehandlungen miteinander verzahnt sind. Ebenfalls häufig standen Infektpatientinnen und -patienten auf dem Plan, aber auch Wundversorgungen, postoperative Faden- und Klammerentfernungen gehörten zur Routine. Nach Entlassungen aus dem Krankenhaus begleitete ich einzelne Patientinnen und Patienten weiter und übernahm die Nachsorge, was mir nochmals die Bedeutung einer kontinuierlichen Betreuung deutlich machte. In einem Fall war ich sogar notfallmäßig in der Praxis gefordert.
Besonders prägend waren in dieser Woche die eigenständigen Hausbesuche. Ich begegnete mehreren hypertensiven Entgleisungen mit Blutdruckwerten von bis zu 215 mmHg. Vor Ort führte ich Erstmaßnahmen durch, überwachte die Patientinnen und Patienten anschließend und organisierte die notwendige Nachsorge. Ein weiterer bemerkenswerter Hausbesuch betraf eine Patientin mit starkem Husten und gelblich-zähem Auswurf. Es bestand angesichts eines kürzlich überstandenen Schlaganfalls und anamnestischer Dysphagie der Verdacht auf eine Aspirationspneumonie.
Insgesamt war die neunte Woche besonders intensiv: Ich arbeitete sehr selbstständig, übernahm zahlreiche Hausbesuche und akute Interventionen und konnte meine Fähigkeiten in Diagnostik, Organisation und Therapieplanung deutlich weiter ausbauen. Die Kombination aus Routine, Verantwortung und akuten Herausforderungen machte die Woche sehr lehrreich.
Woche 10: 02.03. – 06.03.2026
Die zehnte Woche meines PJ-Tertials verlief weiterhin in einem inzwischen sehr vertrauten Rhythmus. Viele Abläufe in der Praxis gingen mir routiniert von der Hand. Anamnese, körperliche Untersuchung, Befundbeurteilung und die Vorbereitung der weiteren diagnostischen und therapeutischen Schritte übernahm ich wie gewohnt selbstständig, bevor die Fälle anschließend gemeinsam besprochen wurden.
Ein kleines Highlight der Woche war der Dienstag, an dem ich im Rahmen des „Exzellenten Winters“ selbst als Tutor tätig war. Innerhalb kurzer Zeit galt es, einer Gruppe von Studierenden aus unterschiedlichen Fachsemestern zentrale Inhalte der Allgemeinmedizin zu vermitteln. Ausgangspunkt waren Atemwegsinfektionen und deren klinische Einschätzung – insbesondere Warnzeichen und mögliche gefährliche Verläufe. Von dort aus ergaben sich schnell weitere Themen: ein kurzer Exkurs zu Harnwegsinfekten (weil noch Zeit war) und Hinweise, was bei V.a. eine Pneumonie zu berücksichtigen ist (Diagnostische Untersuchungsbefunde, Therapie, mögliche Krankenhauseinweisung in bestimmten Fällen).
Den größten Raum nahm jedoch die ausführliche Besprechung der Wirbelsäulenuntersuchung ein. Dabei ging es um praktische Untersuchungstechniken, um differenzialdiagnostische Überlegungen in der Neurologie, um Dermatomverläufe, Kennmuskeln und typische Ausfallerscheinungen sowie um therapeutische Strategien bei Rückenschmerzen. Auch wenn in der Allgemeinmedizin viele Rückenpatienten konservativ behandelbar sind, war es mir wichtig die Grundlagen der Red flags zu vermitteln, damit Rückschlüsse auf gefährliche Verläufe schneller getroffen werden können. Für mich war es eine sehr wertvolle Erfahrung, innerhalb kurzer Zeit teils komplexe Inhalte strukturiert aufzubereiten und verständlich weiterzugeben – und gleichzeitig zu merken, wie sehr sich mein eigenes Wissen in den vergangenen Monaten gefestigt hatte.
Auch der Praxisalltag selbst bot wieder eine große Bandbreite an Krankheitsbildern. Viele Patientinnen und Patienten stellten sich weiterhin mit akuten Infekten vor, daneben waren auch Wundversorgungen inkl. scharfen Debridements bei chronischen Wunden ein regelmäßiger Bestandteil der Sprechstunde.
Ein weiterer Fall betraf eine Patientin mit Herpes zoster, bei der eine antivirale Therapie mit Aciclovir in einer Dosierung von 800 mg fünfmal täglich eingeleitet wurde. Auch hier standen neben der medikamentösen Therapie vor allem Aufklärung und Beratung über den weiteren Verlauf und mögliche Komplikationen im Vordergrund.
Besonders aufmerksam machte mich ein Patient mit neu aufgetretener zyanotischer Verfärbung einzelner Zehen. In der Anamnese bestand ein Z.n. Mitralklappenersatz als auch ein Hinweis auf eine pAVK, sodass die Symptomatik differenzialdiagnostisch ernst genommen werden musste. Aufgrund des möglichen vaskulären Hintergrunds erfolgte eine stationäre Einweisung in die Gefäßchirurgie zur weiteren Abklärung. Geplant waren unter anderem eine Echokardiographie, eine sonographische Untersuchung der Aorta sowie eine umfassende Abklärung des Gefäßstatus, unter anderem im Hinblick auf eine mögliche periphere arterielle Verschlusskrankheit.
Neben diesen Fällen spielten auch orthopädische Fragestellungen weiterhin eine Rolle. Häufig untersuchte ich Patientinnen und Patienten nach Knie-Totalendoprothese, die über Instabilitätsgefühle berichteten. In mehreren Fällen zeigte sich eine laterale Aufklappbarkeit, sodass eine sorgfältige klinische Untersuchung und eine entsprechende Weiterbeurteilung notwendig waren. Auch Patienten mit akuter Rückensymptomatik spielten weiterhin eine große Rolle. Besonders bereichernd waren hierbei Patienten, die ich bei V.a. zervikale oder auch lumbale Spinalkanalstenose zur MRT Abklärung schickte, wo sich diese bestätigte und ggf. sogar wirbelsäulenchirurigsch/neurochirurgisch eine OP Indikation zur Linderung der Beschwerden gestellt wurde.
Rückblickend war die zehnte Woche geprägt von weiterhin viel Eigenständigkeit, praktischen Eingriffen, komplexen klinischen Fragestellungen und der besonderen Erfahrung, selbst Wissen an jüngere Studierende weiterzugeben. Diese Mischung machte die Woche erneut sehr lehrreich und zeigte mir, wie vielfältig und anspruchsvoll der hausärztliche Alltag sein kann.
Woche 11: 09.03. – 13.03.2026
Ein Schwerpunkt dieser Woche lag auf der Auswertung kardiovaskulärer Diagnostik. Viele Patientinnen und Patienten brachten ihre häuslichen Blutdruckprotokolle mit in die Praxis, die ich gemeinsam mit ihnen besprach und in den klinischen Gesamtkontext einordnete. Ergänzend dazu wertete ich mehrere Langzeit-Blutdruckmessungen sowie Langzeit-EKGs aus.
Auch präventivmedizinische Aspekte spielten in dieser Woche eine wichtige Rolle. Ich führte mehrere Check-up-Untersuchungen durch, bei denen neben den körperlichen Untersuchungen, Laborbefundbesprechungen und kardiovaskulären Risikofaktoren auch ausführliche Beratungsgespräche stattfanden. Besonders häufig ging es dabei um Ernährungsgewohnheiten, Gewichtsreduktion und allgemeine Lebensstilmaßnahmen zur Prävention oder Behandlung von kardiovaskulären Erkrankungen.
Ein besonders interessanter Fall betraf einen Patienten, bei dem ich bereits zuvor den Verdacht auf eine lumbale Spinalkanalstenose geäußert hatte. Er kam nun zur Besprechung seines MRT-Befundes sowie des Berichtes der Neurochirurgie in die Praxis zurück. Vor einer möglichen operativen Therapie sollte zunächst eine Abklärung der Herz- und Lungenfunktion erfolgen. In diesem Zusammenhang führte ich eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung durch, ergänzt durch ein EKG und eine Lungenfunktionsuntersuchung. In den Vorbefunden fand sich bereits eine COPD bei positiver Raucheranamnese. Die aktuelle Lungenfunktion zeigte eine ausgeprägte Obstruktion mit typischem Emphysemknick sowie eine deutlich eingeschränkte FEV₁ von knapp 30 %. Angesichts dieses Befundes leiteten wir eine inhalative Therapie mit einer LABA/LAMA-Kombination ein, um die respiratorische Situation der Patientin zunächst zu stabilisieren und zu verbessern.
Ein weiterer Fall betraf eine Patientin mit ausgeprägter Varikose beider Beine, die sich mit schmerzhaften, geröteten Venenabschnitten im Bereich der V. Saphena magna vorstellte. Klinisch bestand der Verdacht auf eine Thrombophlebitis. Nach entsprechender Einschätzung leiteten wir eine Therapie mit niedermolekularem Heparin ein. Im Verlauf kam es zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden.
Neben der klassischen Sprechstundentätigkeit führte ich auch mehrere Funktions- und Vorsorgeuntersuchungen durch. Dazu gehörten unter anderem Belastungs-EKGs, bei denen die kardiovaskuläre Leistungsfähigkeit unter stufenweiser Belastung beurteilt wurde. Auch Führerscheinuntersuchungen sowie Jugendarbeitsschutzuntersuchungen standen auf dem Plan und boten eine gute Gelegenheit, präventivmedizinische Aspekte stärker in den Fokus zu rücken. Geplant war außerdem eine Tauchtauglichkeitsuntersuchung, die jedoch leider kurzfristig verschoben wurde.
Ein weiterer schöner Aspekt dieser Woche war die Zusammenarbeit mit einer Famulantin. Dabei hatte ich die Gelegenheit, selbst aktiv Wissen weiterzugeben. Gemeinsam gingen wir verschiedene Untersuchungstechniken durch, insbesondere die strukturierte Untersuchung der Wirbelsäule sowie typische Red Flags bei Rückenschmerzen, die eine weiterführende Diagnostik erforderlich machen können.
Darüber hinaus besprachen wir die klinische Untersuchung von Knie und Hüfte und führten diese auch praktisch gemeinsam durch. Besonders viel Freude machte mir auch das Teaching in der Sonographie. Wir nutzten freie Momente, um uns gegenseitig zu schallen und dabei anatomische Strukturen sowie typische Untersuchungsebenen zu üben. Für mich war es eine bereichernde Erfahrung, die eigenen Kenntnisse nicht nur anzuwenden, sondern sie auch verständlich zu vermitteln.
Neben all den medizinischen Inhalten gab es in dieser Woche auch mehrere Momente, die mich persönlich besonders berührt haben. Einige Patientinnen und Patienten bedankten sich ausdrücklich für die Betreuung in den vergangenen Wochen und Monaten. Diese Form der Wertschätzung hat mich sehr gefreut und mir erneut gezeigt, wie wichtig neben der fachlichen Kompetenz vor allem auch die menschliche Ebene in der Allgemeinmedizin ist. Ein ganz herzliches Dankeschön an dieser Stelle an alle Patienten für das entgegengebrachte Vertrauen!
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